© Gerhard Brose / pixelio.de Trödelschätze in Schöneberg
Fetish & Establishmen: Schöneberg
„Rainbow Village“ heißt der Schöneberger Kiez, ein passender Name für diesen bunten Bezirk. Von Fuggerstraße und Motzstraße bis zu Maaßenstraße und Nollendorfplatz laden die unterschiedlichsten Bars und Clubs, Restaurants und Shops zum Einkaufen und Genießen ein. Auch international ist bekannt, dass der Kiez ein Mekka für Fetischliebhaber jeder Couleur geworden ist; die Dichte an entsprechenden Läden beweist es! Gleichzeitig sind die Straßen hier eher von Etablierten bevölkert, ein Kontrast, aber keineswegs ein Widerspruch. Historisches Bewusstsein zeigt eine Gedenktafel für die schwullesbischen Opfer des Nationalsozialismus: „Totgeschlagen – totgeschwiegen“ am U-Bahnhof Nollendorfplatz. An der Motzstraße demonstriert die Stele in Regenbogenfarben queer Selbstbewusstsein, auf der Kreuzung Martin-Luther Straße/Kleiststraße erinnern große rote Schleifen an die Aids-Toten. – Der Schriftsteller Christopher Isherwood hat einige Zeit im Bezirk gelebt (Nollendorfstr. 17). Seine „Berlin Stories“ lieferten die Motive für den Film- und Musicalwelterfolg „Cabaret“.
Vielfalt hat hier Tradition
Eine Schöneberger Institution ist der Buchladen Eisenherz mit seinem riesigen Angebot für jede Orientierung. Begine ist das beliebte Kulturzentrum nur für Frauen. Das gastronomische Angebot in Schöneberg reicht vom Café Berio über die Heile Welt, Hafen und HarDie’s Kneipe bis zum bodenständigen Windows und dem schicken Restaurant More. Rustikales Pendant ist die Raststätte Gnadenbrot. Als Männer-Treffs mit und ohne Anfassen empfiehlt sich eine stattliche Anzahl an Locations wie Bull, CDL-Bar, Maxxx Bar, Mutschmanns, New Action, Prinzknecht, Scheune,Reizbar, Tom’s Baroder Woof.
Für 70er-Jahre-Touch sorgt das Blond, jung und alt finden auch beispielsweise im Pooky’s zueinander, und die Gay Table Dance Bar Angel’s-Club bietet zusätzlich noch was fürs Auge.
© Rolf-Wenkel/pixelio.de Das Badeschiff in Kreuzberg
Queer & international: Kreuzberg, Neukölln, Friedrichshain
Nach dem Motto „die Karawane zieht weiter“ erlebt Kreuzberg mehr und mehr seine Wiederentdeckung. Multikulturell ist die Bevölkerung, jung und international das Szenepublikum. Im ehemaligen Mauerkiez um die Oranienstraße hat man das typische Kreuzberg-Feeling. Schon tagsüber zum Beispiel im Café Pfeiffers bei Kaffee und Kuchen. Abends ausgehen kann man hier oder in dem Gebiet um die Bergmannstraße. Immer angesagter ist der Teil von Neukölln, der direkt an Kreuzberg grenzt. Im „Reuter-Kiez“ entstand in den letzten beiden Jahren eine lebendige Szene mit Galerien, Kneipen, Cafés wie Liberda und Clubs wie dem Silver Future. Ein typischer Berliner Kontrast: In der Weserstraße kann man im Su de Coucou aufregende Art-Performance erleben – oder eine trashige Travestieshow im Theater im Keller.
Legendäres Nachtleben
Das Kreuzberger SchwuZ ist eine Institution im schwullesbischen Nachtleben, ein Besuch dort gehört zum Standard. Die Barbie Bar und das kuschelige Rauschgold sind in der Nähe. Die Serene Bar (samstags traditionell in lesbischer Hand) ist ein Klassiker. Die Oranienstraße bietet Bewährtes und ist immer wieder Neues. Einzigartig ist die Orient-Party Gayhane im SO36, ein Dauerbrenner gleich nebenan ist die Kultkneipe Roses. Früher am Abend sind Luzia oder Möbel-Olfe zu empfehlen. Ein interessanter „Neuzugang“ im Kiez ist das Südblock am Kottbusser Tor – mehr Kreuzberg geht nicht. Auf dem Weg nach Friedrichshain via Oberbaumbrücke kann unterwegs im Barbie Deinhoffs gerastet werden. Gleich hinter der Brücke findet sich die Karaoke-Bar Monster Ronson’s Sing Inn. Im Ausgehkiez um die Simon-Dach-Straße empfehlen sich das Himmelreich (Dienstag ist women’s lounge) oder die hanseatisch gestylte „Männerwirtschaft“ Große Freiheit 114 (mit Darkroom). Die Bar Zum schmutzigen Hobby der Drag-Queen Nina Queer aus Österreich ist ein Muss, auch nach ihrem Umzug aus Prenzlauer Berg. Sehr beliebt am Sonntag ist außerdem der Trödelmarkt auf dem Boxhagener Platz.
© Fragasso/visitberlin.de Auf dem Weg nach Prenzlauer Berg
Kinderwagen & Harness : Prenzlauer Berg
Prenzlauer Berg ist ein Berliner Bezirk mit eigenem Flair, wenn auch nicht überwiegend queer, zumindest nicht tagsüber: Auffallend viele junge Familien mit Kindern leben in dem Bezirk. Vor allem am Wochenende, wenn gleich zwei große Flohmärkte – am Mauerpark und am Arkonaplatz – stattfinden, scheint das Viertel fast aus den Nähten zu platzen. Die Kneipendichte hier ist legendär, auch für Szenepublikum ist einiges dabei. Zum Beispiel die Bar Marietta im Retro-Look der Sixities. Hier ist der Mittwoch der angesagteste Termin. Gerne tummeln sich die Amüsierwilligen auch auf dem Gehsteig. Montags ist es ruhiger – und auch lesbischer. Schwule Jungs schätzen die familiäre Atmosphäre im Flax mit seinem breitgefächerten Programm von Brunch bis Party.
Speisen und Cruisen
In der Nachbarschaft lädt das Restaurant November zu herzhaften Gaumenfreuden. Die Lage an der Ecke Husemann-/Sredzkistraße bietet Gelegenheit, bei Kaffee und Kuchen oder einem schönen Frühstück das Berliner Volk zu beobachten. Die Atmosphäre in der Bar Perle ist ideal für den Einstieg ins spätere Night Clubbing. Weiter bummeln kann man zum Marienhof mit Karaoke- und Bingo-Veranstaltungen – und Raucherraum. Ein Neuzugang ist die originelle Bar Trauerspiel. Das Queens, Club und Café, ist eine Adresse für „women and friends“ mit regelmäßigen Partys. Die ganz in erotischem Rot gehaltene Bar Privatleben gehört zu den beliebtesten Treffpunkten im Kiez. Das Schall und Rauch in der Gleimstraße ist berühmt – neben seinem Raumdesign – für das leckere Frühstücksbuffet und deshalb vor allem am Wochenende sehr voll. Stiller Don ist ein Traditions-Treff mit angenehmer Atmosphäre, besonders stark frequentiert ist der Montag. Mit seinem 70er-Ambiente ist Villis attraktiv für Besucher und Anwohner. Wer nach diesen Einstiegsmöglichkeiten Lust auf Cruising hat, kann sich in der Greifbar auf Kontaktsuche begeben – oder bei Stahlrohr 2.0, Cocks oder Darkroom vorbeischauen.
